Christliche Unternehmer sollen Flagge zeigen
Bergneustadt (idea) – Christliche Unternehmer sollten offen mit ihrem Glauben umgehen und dafür werben. Dazu ermunterte Europas größter Schuheinzelhändler Heinz-Horst Deichmann (Velbert), beim Unternehmerforum des Forums Wiedenest (früher: Missionshaus Bibelschule Wiedenest) am 29. November in Bergneustadt (Oberbergisches Land).Der wirtschaftliche Erfolg sei nicht das Wichtigste. „Ich werde von Gott nicht gefragt werden, wie viele Schuhe ich verkauft habe, sondern ob ich das Evangelium weitergegeben habe“, sagte er vor rund 100 Zuhörern. Für ihn sei sein Vater ein Vorbild gewesen, der bei jeder Gelegenheit die christliche Botschaft gepredigt habe.
Nicht spekulieren, sondern kalkulieren
Deichmann sprach sich für ein umsichtiges Wirtschaften aus. Unternehmer sollten nicht spekulieren, sondern kalkulieren, wenn sie langfristig Erfolg haben wollen. Die Entwicklung seines Unternehmens beschrieb der 83-Jährige als konsequente Wachstumsgeschichte, die man fortführen wolle. So werde man bis Ende 2009 weltweit rund 280 Filialen eröffnen. Derzeit beschäftigt das Unternehmen über 28.000 Mitarbeiter. Vor 32 Jahren gründete Deichmann das Missionswerk „Wort und Tat“, das sich schwerpunktmäßig in Indien, Tansania, Moldawien und Griechenland engagiert. Damals habe ihn ein Freund zu einer Indienreise eingeladen. Als er dort die Situation der Leprakranken gesehen habe, sei er so ergriffen gewesen, dass er mit dem Aufbau von Hilfsangeboten begonnen habe, so Deichmann. Heute betreut das Werk rund 3.500 Leprakranke. Darüber hinaus fördert es allein in Indien jährlich über 20.000 Kinder bei der Ausbildung und unterstützt Familien durch die Vergabe von Kleinkrediten beim Aufbau einer eigenen Existenz.
„Früher ab und zu explodiert“
Deichmann gab auch einen Einblick in sein Privatleben. So habe er den Tod seiner Ehefrau vor zwei Jahren nach 57 Jahren Ehe immer noch nicht ganz verarbeitet. Allerdings habe er die Gewissheit, sie in der Ewigkeit wiederzusehen. Seine Frau sei ihm eine „große Hilfe“ für seine unternehmerische und missionarische Tätigkeit gewesen. Zudem räumte er eine Schwäche ein: Wenn etwas nicht so laufe, wie er es plane, sei er „früher ab und zu mal explodiert“. Bisher hätten ihm die Leute aber immer verziehen, sagte Deichmann.
Staatlich anerkannter Studienabschluss?
Der Leiter der Biblisch-Theologischen Akademie Wiedenest, Ulrich Neuenhausen, informierte über die Entwicklung der Ausbildungsstätte. Sie prüfe die Möglichkeit, eine staatliche Anerkennung zu erhalten. Allerdings seien die Auflagen dafür in Nordrhein-Westfalen höher als in anderen Bundesländern. Zwar wolle das Werk in erster Linie Multiplikatoren für den christlichen Glauben ausbilden und keine „Titelträger“, doch werde ein staatlich anerkannter Abschluss für viele Studierende immer wichtiger. Das mit den Brüdergemeinden verbundene Forum Wiedenest betreut rund 130 Missionare in 17 Ländern. Mit 150 Studierenden zählt das Werk zu den größten evangelikalen theologischen Ausbildungsstätten im deutschsprachigen Europa. Die Angebote des Gemeindeforums nehmen jedes Jahr rund 6.000 Personen in Anspruch. Gesamtleiter des Werks ist der ehemaligen Manager in der chemischen Industrie Gerd Goldmann.


