Finanzkrise erreicht Kirche Hessen-Nassau
Darmstadt (idea) – Die Finanzkrise hat die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) erreicht. In den ersten zehn Monaten dieses Jahres sank das Kirchensteueraufkommen um 7,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, sagte Finanzdezernent Heinz Thomas Striegler (Darmstadt) gegenüber idea.Im vergangenen Jahr habe er ein Minus von neun Prozent vorausgesagt, sagte Striegler. „Das heißt, es ist schlimm gekommen, aber nicht ganz so schlimm wie befürchtet.“ Die EKHN liege „im negativen Spitzenfeld“ der Landeskirchen. Die EKD erwarte für 2009 ein Kirchensteuerminus von drei Prozent. Striegler begründete den deutlichen Rückgang in Hessen-Nassau mit der Unternehmensstruktur, die von Banken, aber auch produzierender Industrie geprägt sei. Das seien Branchen, die früh auf Krisen reagierten.
„Wir treten nicht auf die Personalbremse“
Für den Haushalt 2010 mit einem Volumen von 477 Millionen Euro müsse die Landeskirche auf 42 Millionen aus ihren Rücklagen zurückgreifen. Eine so hohe Entnahme habe es noch nie gegeben, so der Finanzdezernent. Für 2010 sei mit einem weiteren deutlichen Einnahmerückgang zu rechnen. Er gehe von nur noch 360 Millionen Euro an Kirchensteuern aus. Im laufenden Jahr seien es 55 Millionen Euro mehr gewesen. 2008 zahlten die Kirchenmitglieder noch 460 Millionen Euro. Er sehe die Entwicklung „mit großen Bauchschmerzen“, sagte Striegler. Schließlich machten die Personalausgaben drei Viertel des Etats aus: „Aber wir wollen nicht auf die Personalbremse treten.“ Mit dem Haushalt wird sich auch die vom 24. bis 28. November in Frankfurt am Main tagende Synode der 1,7 Millionen Mitglieder zählenden Kirche befassen. Striegler kandidiert auch für das Amt des neuen Chefs der Kirchenverwaltung. Mitbewerber ist Oberkirchenrat Christoph Thiele, der stellvertretende Leiter der Rechtsabteilung im Kirchenamt der EKD in Hannover. Die Amtszeit der bisherigen Leiterin Sigrid Bernhardt-Müller endet am 31. Juli 2010.
Drei Tagungshäuser vor der Schließung
Wie ferner bekannt wurde, will die Kirche aus Kostengründen drei ihrer Tagungshäuser schließen: die Tagungsstätte im Frankfurter Zentrum Ökumene und im Haus Friedberg im Zentrum Seelsorge und Beratung sowie im Religionspädagogischen Studienzentrum Kronberg-Schönberg. Dagegen soll das Martin-Niemöller-Haus in Schmitten-Arnoldshain zu einem Tagungshotel ausgebaut werden. Das sieht ein Konzept der Kirchenleitung vor. Durch die Schließungen sollen jährlich rund 170.000 Euro eingespart werden. Keine der sieben Tagungsstätten der Kirche werde „wirtschaftlich vertretbar“ genutzt, so Pressesprecher Stephan Krebs. Deshalb müssten die am schlechtesten ausgelasteten Häuser geschlossen werden.


