Journalist beklagt „Verrohung des Denkens“
Esslingen (idea) - Eine „Verrohung des Denkens“ beklagt der Journalist und Baptistenpastor Andreas Malessa (Hochdorf bei Esslingen). Befördert werde dies auch durch die Popularität wissenschaftlicher Psychotherapiemethoden, wie sie in Wartezimmerzeitschriften und Boulevardblättern verbreitet werden, sagte er bei einem Seminartag „Ellenbogen contra Nächstenliebe?“ des Diakoniewerks der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden (Baptisten) in Baden-Württemberg Ende Januar in Esslingen.Die empfohlene Ich-Bezogenheit habe nicht zu mehr Rücksichtnahme oder gar Barmherzigkeit geführt, sondern zur Ausbreitung der Ellenbogen-Gesellschaft beigetragen. Eine weitere Folge sei, dass heute etwa am Arbeitsplatz nach „hintergründigen Motiven und Absichten“ des Gesprächspartners gesucht werde. Dadurch würden menschliche Wärme oder gar ausgelassene Freude unmöglich. Auch knapp 30 Jahre Privatfernsehen hätten die menschliche Kommunikation massiv vergiftet. Früher habe es in Film und Fernsehen eine gepflegte Höflichkeit gegeben; heute erlebe man vielfach „brutalste Vulgärsprache“. Dies solle „Nähe zur rauen Wirklichkeit des Alltags“ ausdrücken. Um wieder zu einer menschlichen Gesprächskultur zurückzukommen, empfahl Malessa das Aufsuchen „heiliger Orte“. Beispielsweise mäßigten in der ehrwürdigen Atmosphäre einer Kathedrale selbst Nichtchristen automatisch Tonfall und Sprache. Malessa: „In solchen Räumen muss ich mich nicht zum Respekt gegenüber anderen zwingen. Der gekreuzigte Christus und seine Anwesenheit verändern mich.“ Vorsitzender des Diakoniewerks ist der Rundfunkjournalist Holger Gohla (Karlsruhe).


