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Meldung vom: 03.11.09

Von Noah, Mose und Paulus lernen

Eine neue „Managerbibel“ zeigt Vorbilder – nicht nur – für Führungskräfte in der Bibel

Führungskräfte der Bibel / Hänssler-Verlag

Was kann man von den Führungskräften in der Bibel lernen? Unter diesem Aspekt haben der protestantische Pfarrer Dr. Matthias Schreiber (Düsseldorf) und der katholische Journalist Dr. Claudius Rosenthal eine „Managerbibel“ herausgebracht, die im Hänssler-Verlag erschienen ist (Rosenthal/Schreiber, Führungskräfte der Bibel). Im Folgenden ein Auszug über die Geschichte von Judit (Judit 12-13).

Judit oder: Kleines Lob auf die List
Kann man in der Welt der Wirtschaft und der Politik eigentlich Christ sein? In einer Welt, in der das Täuschen und Tricksen, das Observieren und Spionieren zum Tagesgeschäft gehört? In der unwidersprochen bleibt, wenn die Wirtschaft als Krieg bezeichnet wird, und in der unausgesprochen der Satz zu gelten scheint, dass keine Leiche so schön stinkt wie die des Konkurrenten?

Eine der klügsten Frauen
Eine der klügsten Frauen des Alten Testaments, Judit, scheint sich diese Frage nicht zu stellen. Im Gegenteil: „Lass meine listigen Worte Wunden und Striemen schlagen“, vertraut sie Gott ganz unverhohlen ihre Pläne an, mit denen die Israeliten vor der übermächtigen Streitmacht Nebukadnezars gerettet werden sollen. „Deine Macht stützt sich nicht auf die große Zahl, deine Herrschaft braucht keine starken Männer“, ruft sie – und bittet damit um nicht weniger, als dass Gott ihr bei einem hoffentlich kriegsentscheidenden Schachzug und sogar bei einem Mord hilft. Die Bitte bleibt nicht unerhört: Judit gewinnt das Vertrauen der Feinde Israels. Mit ihrer Schönheit verdreht sie dem Heerführer Holofernes gehörig den Kopf – und schlägt ihm den bei der erstbesten Gelegenheit dann ab. So gewinnen die Israeliten den Krieg und die Belagerung findet ein Ende.

Fördert Gott Betrug?
Ist Gott also ein Freund und Förderer der List und des Betruges? Der Lüge und der Verstellung? Ja sogar von Mord und Totschlag? Einer, für den der Zweck die Mittel heiligt? Der Unrechtes nicht nur geschehen lässt, sondern sogar unterstützt? Gewiss nicht! Aber Judit ist eben auch nicht die skrupellose Agentin. Überhaupt nicht. Sie ist in ihrem Volk eine moralische Autorität, weil sie weit mehr tut, als es die göttlichen Gesetze verlangen. Judit weiß sehr wohl, dass sie beim Umsetzen ihrer Pläne gleich gegen ein ganzes Bündel der Zehn Gebote verstoßen wird.

Das größere Übel
Doch Judit weiß auch um das größere Übel, das geschehen wird, wenn sie nicht handelt. Das allein vermag ihre Pläne kaum zu rechtfertigen. Menschenleben können nicht gegeneinander aufgerechnet werden. Deshalb tut Judit bereits in ihrem unrechten Handeln Buße. Sie bittet Gott immer wieder um Beistand. Sie betet. Sie versagt sich jeden Luxus. Sie fastet und sie reinigt sich immer wieder. Genau deshalb ist die Geschichte von Judit kein Freibrief für List und Betrug, keine Absolution für den Mord. Unrecht bleibt Unrecht, aber es gibt eben doch auch Situationen, in denen auf erschreckende Weise erfahrbar wird: Man kann vieles nachmessen – doch was im Einzelfall angemessen ist, das kann man nicht ermessen. Judit ist in einer solchen Situation. Sie erfährt: Das Gesetz ist heilig, aber es ist kein Selbstzweck, und vor allem bewahrt es nicht vor Schuld.

Immer wieder Neuland
Die Geschichte von Judit ist keine Geschichte für Menschen, die alle Fragen geklärt haben. Unsere Welt ist keine Welt, die sich klein, handlich, auf Schubladen-Format herunterbrechen lässt. In der es für jede Situation die passende Maxime gibt. Die Welt ist eine andere: Wir betreten immer wieder Neuland. Wir werden mit Situationen konfrontiert, für die es noch keinen Ratgeber und keine Regel gibt. In der wir Grenzen verschieben müssen und in der wir uns deshalb immer und immer wieder die Frage zu stellen haben: Wie weit muss ich, wie weit darf ich über die Grenze hinausgehen – und zwar, ohne sie zu verschieben? Judit hat diese Frage beantwortet. Für sich.

Pauschale Antwort gibt es nicht.
Eine pauschale Antwort für uns gibt sie nicht, aber sie gibt uns zwei Hinweise: Wer gegen Gebote und Gesetze verstößt, sollte wissen, wie hoch die Hürden, die Anforderungen an das eigene Handeln sind, um dafür auch Gott um Hilfe bitten zu können! Und zweitens: Wer sich redlich seinem Gewissen stellt und danach handelt, der darf am Ende auf einen gnädigen Richter hoffen. In dieser Welt und in der kommenden.

Quelle: ideaSpektrum, Ausgabe 38/2009

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