Wie kommt die Finanzwelt aus der Krise?
Bad Blankenburg (idea) – Wo liegen die Ursachen für die Finanz- und Wirtschaftskrise und welche Auswege gibt es? Über diese Frage haben Ökonomen und Bankiers vom 5. bis 7. November im thüringischen Bad Blankenburg diskutiert.Zu der Wirtschaftsfachtagung unter dem Thema „Krise der Weltwirtschaft – Zurück zur Sozialen Marktwirtschaft und die ethischen Herausforderungen auf dem Weg dorthin“ hatte die Gesellschaft zur Förderung von Wirtschaftswissenschaften und Ethik (GWE) in Zusammenarbeit mit der Studiengemeinschaft „Wort und Wissen“ eingeladen. Wie der frühere Bundesbankdirektor Jürgen Müller (Mönchengladbach) sagte, liege die Verantwortung für die Krise im wesentlichen bei den Banken und ihren Mitarbeitern. Andererseits habe „die unglaubliche Hast und Geldgier der Kunden“ den Banken in die Hände gespielt. Der Landwirt und Bankier Wolfgang Graf Castell zu Castell (Nürnberg) vertrat die Ansicht, dass auch kleine Banken nicht kritisch genug mit den Produkten gewesen seien, die sie ihren Kunden verkauften. Dadurch sei Vertrauen verlorengegangen, das nur langsam wieder aufgebaut werden könne.
Auf ehrbaren Bankkaufmann zurückbesinnen
Er plädierte für eine Rückbesinnung auf den Begriff des „ehrbaren Bankkaufmanns“. Diese Bezeichnung stehe im Gegensatz zu der des „Bankers“ für Werte wie Leistung, Ordnung und Genügsamkeit. „Und genau diese Tugenden müssen wieder Einzug halten in die Bankhäuser und Unternehmen“, erklärte der Graf. Er sprach sich dafür aus, den erfolgsabhängigen Anteil am Gehalt auf maximal 40 Prozent zu begrenzen. Außerdem sollten Boni eher für nachhaltige Erfolge gezahlt werden als für kurzfristige Gewinne.
Verfehlte amerikanische Geldpolitik
Die Ökonomen Prof. Roland Mestel (Graz) und Prof. Gerald Mann (München) nannten die verfehlte US-amerikanische Geldpolitik als eine Hauptursache der Krise. Notwendig sei eine internationale Regulierung der Finanzmärkte. Regulierungswillige Staaten sollten nach Ansicht des GWE-Vorsitzenden Prof. Werner Lachmann (Nürnberg) eine Vorreiterrolle übernehmen, um Finanzrisiken einzudämmen. Bei Erfolg würden sich weitere Staaten diesem „Klub“ anschließen.
Vertrauen in Banken wiederherstellen
Der Ökonom Prof. Spiridon Paraskewopoulos (Leipzig) kritisierte, dass jahrelang Geschäfte gemacht worden seien, ohne nachhaltige Werte zu schaffen. Viele Ökonomen hätten sich für die absolute Freiheit des Marktes ausgesprochen, und die Politik hätte diese Überzeugung übernommen. Nach seinen Worten kann die Krise nur bewältigt werden, wenn es gelingt, das Bankensystem zu stabilisieren und das Vertrauen in die Banken wiederherzustellen. „Wenn die Finanzwelt nicht funktioniert, funktioniert auch die reale Welt nicht.“ Die GWE ist ein Verein zur Förderung von Forschung und Lehre in den Wirtschaftswissenschaften auf der Grundlage einer Ethik, die auf dem biblischen Welt- und Menschenbild beruht. Sie hielt jetzt ihre 20. Jahrestagung ab.


